Referenzarchitektur Frontend

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Die folgenden Inhalte können sich ohne Ankündigung bis zum nächsten Release umfassend ändern und sind möglicherweise noch nicht in der gesamten IsyFact berücksichtigt. Trotzdem sind sie bereits für die Entwicklung neuer Anwendungen relevant.

Die Referenzarchitektur Frontend beschreibt die grundlegenden Rahmenbedingungen sowie die architekturellen Leitlinien für die Entwicklung des IT-Systemtyps Frontend in Anwendungen. Sie dient als verbindliche Grundlage für die Gestaltung und Umsetzung benutzerorientierter Komponenten im Kontext moderner Geschäftsanwendungen.

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Abbildung 1. Einbettung Frontends in der fachlichen Referenzarchitektur

Wie in Einbettung Frontends in der fachlichen Referenzarchitektur dargestellt, erfolgt grundsätzlich eine Unterteilung der Geschäftsanwendung (GA) in zwei IT-Systeme: das Backend (GK) zur Bereitstellung fachlicher Logik und Services sowie das Frontend (GKGUI) als Benutzeroberfläche zur Interaktion mit dem Anwender.

Diese softwaretechnische Trennung erfolgt ausschließlich aus technologischen und organisatorischen Gründen: Frontend und Backend können unabhängig voneinander entwickelt, betrieben und skaliert werden und setzen in der Regel unterschiedliche Technologien sowie potenziell getrennte Entwicklungsteams ein. Aus Sicht der Anwender bleibt die Anwendung dabei weiterhin als einheitliches System wahrnehmbar.

Dieses Strukturprinzip gilt analog für Querschnittsanwendungen (QA), die entsprechend in QK (Backend) und QKGUI (Frontend) gegliedert werden.

Die Referenzarchitektur Frontend fokussiert sich auf die Beschreibung von Rahmenbedingungen und konzeptionellen Leitlinien für den IT-Systemtyp Frontend sowie dessen Interaktion mit anderen IT-Systemtypen, insbesondere dem Backend, zu dem aufgrund der Darstellung und Verarbeitung fachlicher Anwendungsfälle in der Regel eine enge funktionale Kopplung besteht.

1. Zielbild & Geltungsbereich

Geltungsbereich

  • Alle neu zu entwickelnden Frontends für Anwendungen (Standardsoftware ausgeschlossen)

  • Kürzlich entwickelte Bestandsanwendungen, die bereits als Single-Page Application umgesetzt wurden

  • Explizit ausgeschlossen sind alte Bestandsanwendungen, die noch auf Basis von JSF entwickelt wurden

Die unten beschriebenen Zielbilder sowie der Geltungsbereich der Referenzarchitektur Frontend konzentrieren sich auf die Bereitstellung von Frontends als Single-Page Applications. Geschäftsanwendungen in der öffentlichen Verwaltung sind überwiegend Business-Anwendungen, die auf die Verarbeitung von Daten sowie eine geringe Anzahl von Anwendern (Sachbearbeitern) ausgelegt sind. Anforderungen wie schnelle LCP (Largest Contentful Paint) oder Search Engine Optimization (SEO) haben keine hohe Priorität, sodass der Architekturstil Server-Side Rendering (SSR) zunächst ausgeklammert werden kann.

Auf Basis dieser Architekturvorgabe werden zwei konkrete Zielbilder besprochen: Single-Page Application (SPA) mit direkter Backend-Anbindung sowie die Architekturvariante mit Backend-for-Frontend (BFF).

1.1. Single-Page Application (SPA) mit direkter Backend-Anbindung

Darstellung der Frontends in der softwaretechnischen Architektur inklusive Security zeigt die softwaretechnische Darstellung von Frontends in einer Anwendungslandschaft. Im Vergleich zur allgemeinen Darstellung der softwaretechnischen Referenzarchitektur geht die folgende Abbildung näher auf die bereits in der Einführung erwähnte Verteilung von Frontend und Backend ein.

software technisch frontend
Abbildung 2. Darstellung der Frontends in der softwaretechnischen Architektur inklusive Security

Durch die Verwendung von SPAs befindet sich der Frontend-Teil der GA im Webbrowser des Anwenders, während der Backend-Teil weiterhin auf den Servern der Anwendungslandschaft betrieben wird. Zur strukturierten, sicheren und einheitlichen Anbindung der Frontends an die Backend-Systeme ist verpflichtend, ein zentrales API-Gateway als querschnittliche Komponente vorzuschalten. Das API-Gateway ist ein Bestandteil der Systemlandschaft und wird in der software-technischen Referenzarchitektur detailliert beschrieben.

1.2. Architekturvariante mit Backend-for-Frontend (BFF)

Darstellung der Frontends in der softwaretechnischen Architektur mit der Variante BFF zeigt eine Variante für die Darstellung von SPAs in der softwaretechnischen Referenzarchitektur unter Verwendung eines Backend-for-Frontend (BFF).

software technisch frontend bff
Abbildung 3. Darstellung der Frontends in der softwaretechnischen Architektur mit der Variante BFF

Dabei wird eine zusätzliche Anwendung zwischen Backend und Frontend auf der Serverseite vorgesehen, um das Backend über eine spezifische API vom Frontend zu entkoppeln. Diese Vorgehensweise erhöht zunächst die Komplexität, ist jedoch ein bewährtes Muster, um folgende Herausforderungen zu lösen:

  • Auslieferung unterschiedlicher Darstellungen je nach Endgerät (Smartphone, Tablet, Desktop).

  • Umsetzung von Performance-, Sicherheits- oder Skalierbarkeitsanforderungen, die speziell für die Kommunikation zwischen Frontend und Backend relevant sind.

  • Vorverarbeitung, Filterung und Validierung sensibler oder sicherheitskritischer Daten im Backend, bevor sie an das Frontend gesendet werden – ohne die Backend-API für andere Dienste einschränken zu müssen.

1.3. Architekturvariante: Modularisierte Single Page Application mit Native Federation

Die Architekturvariante Native Federation beschreibt eine modularisierte Single Page Application (SPA), bei der fachlich abgegrenzte Anwendungsdomänen (z. B. „Suche“, „Fallbearbeitung“, „Administration“) als eigenständig lieferbare Frontend-Komponenten umgesetzt und zur Laufzeit durch eine zentrale Anwendungskomponente (Shell) integriert werden.

Eine Shell-Anwendung ist die zentrale Anwendungskomponente innerhalb einer modularisierten Single Page Application. Sie stellt den technischen Rahmen der Anwendung bereit und integriert fachliche Frontend-Komponenten zur Laufzeit.
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Abbildung 4. Vergleich "einfache" SPA mit Native Federation

Im Unterschied zu einer „einfachen“ SPA (ein Build-Artefakt, ein Deployment) erlaubt diese Variante getrennte Build- und Bereitstellungsprozesse je Komponente und reduziert damit Kopplungseffekte zwischen Organisationseinheiten und Liefergegenständen (Artefakten).

Die erhöhte Komplexität ist gerechtfertigt, wenn organisatorische oder technische Rahmenbedingungen eine Modularisierung erfordern; insbesondere dann, wenn mehrere Organisationseinheiten oder Auftragnehmer parallel an derselben Anwendung arbeiten und unabhängige Release-Zyklen bzw. Freigaben benötigt werden.

Native Federation ist sinnvoll, wenn mehrere der folgenden Entscheidungskriterien erfüllt sind:

  • Skalierung von Organisationseinheiten: Mindestens drei Teams (oder mehrere Dienstleister) entwickeln parallel an derselben Anwendung, und die zentrale Integration eines monolithischen Frontends führt zu Blockaden im Bereitstellungsprozess.

  • Unabhängige Freigaben: Fachliche Anwendungsdomänen müssen getrennt bereitgestellt werden (z. B. aufgrund unterschiedlicher Roadmaps, Abnahme- oder Freigabeprozesse bzw. Wartungsfenster).

  • Fachliche Modularisierbarkeit: Die Anwendung lässt sich entlang stabiler fachlicher Domänen strukturieren, ohne dauerhaft stark domänenübergreifenden UI-Zustand oder eng verflochtene Nutzungsszenarien zu erzwingen.

  • Governance- und Architekturvorgaben: Es bestehen verbindliche Regeln für Schnittstellen, Versionierung, Deprecation und Freigabeprozesse, um die kontrollierte Laufzeitintegration unabhängig bereitgestellter Frontend-Komponenten sicherzustellen. Ohne diese Architekturvorgaben besteht das Risiko von Laufzeitinkompatibilitäten und Beeinträchtigungen der Gesamtanwendung. Ein minimaler Rahmen umfasst:

    • Definition und Dokumentation von Integrationsschnittstellen,

    • verbindliche Versionierungsregeln (z. B. Semantic Versioning gemäß IsyFact-Versionierungskonzept),

    • geregelte Deprecation- und Übergangsfristen bei inkompatiblen Änderungen,

    • versionierte Einbindung externer Komponenten (keine ungebundenen „Latest“-Referenzen),

    • etablierte Freigabe- und Qualitätssicherungsprozesse vor produktiver Integration.

  • Betriebs- und Sicherheitsanforderungen: Sicherheits- und Supply-Chain-Kontrollen (z. B. kontrollierte Bezugsquellen, Nachvollziehbarkeit von Build-Artefakten) sowie etablierte Verfahren für Protokollierung, Monitoring und Nachvollziehbarkeit sind organisatorisch und technisch umgesetzt.

  • Testkonzept: Es existiert ein belastbares Testkonzept mit einer Kombination aus Schnittstellen- (Contract-)Tests und Integrations- bzw. Smoke-Tests, um die Kompatibilität zwischen Shell-Komponente und fachlichen Komponenten kontinuierlich sicherzustellen.

Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben (z. B. nur ein bis zwei Teams, gemeinsamer Freigabezyklus, hohe funktionale Verflechtung), ist eine einfache SPA oder ein modular strukturierter Monolith (klare Modulgrenzen innerhalb eines gemeinsamen Build-Artefakts) in der Regel wirtschaftlicher und risikoärmer.

Native Federation ist somit kein Standardvorgehen, sondern eine gezielte Architekturentscheidung zur Skalierung von Organisation, Lieferfähigkeit und Modernisierungsfähigkeit bei großen, langfristig betriebenen Anwendungen.

2. Architekturgrundsätze & -regeln für Frontends

Dieses Kapitel beschreibt die übergreifenden Architekturgrundsätze und -regeln für die Gestaltung von Frontends im Geltungsbereich dieser Referenzarchitektur.

Die hier formulierten Grundsätze sind verbindlich und dienen als normative Leitplanken für alle neu zu entwickelnden Frontends sowie für relevante Weiterentwicklungen bestehender Anwendungen.

Ziel ist es, eine einheitliche, sichere, wartbare und langfristig evolvierbare Frontend-Landschaft sicherzustellen. Konkrete technische Ausprägungen und Detailvorgaben werden in den nachfolgenden Kapiteln behandelt.

2.1. Architekturgrundsätze

2.1.1. AG-1: Trennung von Frontend und Backend

Frontend und Backend MÜSSEN als eigenständige IT-Systemtypen mit klar abgegrenzten Verantwortlichkeiten konzipiert und betrieben werden. Diese Trennung SOLL eine unabhängige Entwicklung, den separaten Betrieb sowie eine evolvierbare Weiterentwicklung ermöglichen.

2.1.2. AG-2: Frontend als nicht vertrauenswürdige Komponente

Der IT-Systemtyp Frontend DARF NICHT als vertrauenswürdige Komponente betrachtet werden. Sicherheits- oder fachkritische Entscheidungen DÜRFEN NICHT im Frontend getroffen werden, sondern in Backend-Systemen.

2.1.3. AG-3: Standardisierung vor projektspezifischen Sonderlösungen

Die Gestaltung von Frontends SOLL einheitlichen architektonischen, technologischen und organisatorischen IsyFact-Standards des BVA folgen. Abweichungen MÜSSEN begründet und dokumentiert werden.

2.1.4. AG-4: Evolvierbarkeit und Austauschbarkeit

Frontend-Architekturen SOLLEN so gestaltet werden, dass technologische Weiterentwicklungen, der Austausch einzelner Komponenten sowie funktionale Erweiterungen mit vertretbarem Aufwand möglich sind

2.1.5. AG-5: Modularer Aufbau entlang fachlicher Verantwortlichkeiten

Frontends SOLLEN modular aufgebaut sein. Die Strukturierung SOLL sich primär an fachlichen Verantwortlichkeiten und Anwendungsdomänen orientieren, nicht ausschließlich an technischen Schichten.

2.1.6. AG-6: Einheitlicher Zugriff auf Backend-Systeme

Der Zugriff von Frontends auf Backend-Systeme SOLL einheitlich erfolgen. Hierfür SOLL ein zentrales API-Gateway als vermittelnde Komponente vorgesehen werden.

2.1.7. AG-7: Backend-for-Frontend als optionale Architekturvariante

Ein Backend-for-Frontend (BFF) SOLL als optionale Architekturvariante vorgesehen werden, wenn Anforderungen an Vorverarbeitung, Sicherheit, Performance oder Entkopplung zwischen Frontend und Backend bestehen.

2.1.8. AG-8: Security und Datenschutz by Design

Sicherheits- und Datenschutzanforderungen SOLLEN von Beginn an integraler Bestandteil der Frontend-Architektur sein. Personenbezogene Daten MÜSSEN auf das notwendige Minimum beschränkt und zweckgebunden verarbeitet werden.

2.1.9. AG-9: Modularisierung nur bei nachgewiesenem Bedarf

Eine Laufzeit-Modularisierung (z. B. via Native Federation) SOLL nur eingesetzt werden, wenn organisatorische oder fachliche Gründe dies erfordern (z. B. mehrere Teams/Lieferanten, unabhängige Release-Zyklen). Andernfalls SOLL eine einfache SPA oder ein modularer Monolith bevorzugt werden.

2.1.10. AG-10: Kontrollierte Runtime-Integration über Shell

Frontends, die aus mehreren unabhängig bereitgestellten Modulen bestehen (Native Federation), SOLLEN über eine zentrale Shell-Anwendung integriert werden. Die Shell SOLL ausschließlich Integrations- und Querschnittsaufgaben (z. B. Routing, Authentifizierung, Layout, Fehlerbehandlung) übernehmen; fachliche Logik SOLL in den Fachmodulen verbleiben.

2.1.11. AG-11: Verbindliche Integrationsverträge und Versionierung

Bei der Integration unabhängig deployter Frontend-Module über Native Federation MÜSSEN öffentliche Schnittstellen (Contracts) definiert, versioniert und über Deprecation-Regeln gesteuert werden. Die produktive Einbindung SOLL versiongebunden erfolgen (keine ungebundenen „Latest“-Referenzen), um Laufzeitinkompatibilitäten zu vermeiden.

2.2. Architekturregeln

Verwendung von Single-Page Applications (SPA)

Für alle Frontends im Geltungsbereich dieser Referenzarchitektur MUSS der Architekturstil Single-Page Application (SPA) verwendet werden.

Verwendung von Native Federation zur Laufzeit-Modularisierung

Für alle Frontends im Geltungsbereich dieser Referenzarchitektur, bei denen eine Laufzeit-Modularisierung erforderlich ist (z. B. mehrere Teams/Lieferanten und getrennte Release-Zyklen), MUSS Native Federation (ES-Module-basierte Integration über eine Shell-Anwendung) verwendet werden. Bundler- bzw. Webpack-gebundene Federation-Mechanismen (insbesondere Module Federation) DÜRFEN hierfür nicht eingesetzt werden.

3. Technologie-Stack & Referenzbausteine

Abschnitt ist noch WIP

4. Security & Compliance

Dieses Kapitel schärft die übergreifenden Sicherheitsvorgaben aus der Referenzarchitektur Sicherheit für den IT-Systemtyp Frontend. Es beschreibt ausschließlich frontend-spezifische Vorgaben; alle übergreifenden Prinzipien (Authentifizierung, Autorisierung, Zertifikate) sind in der Referenzarchitektur Sicherheit festgelegt und gelten uneingeschränkt.

Grundlage ist AG-2: Frontend als nicht vertrauenswürdige Komponente: Das Frontend DARF NICHT als vertrauenswürdige Komponente behandelt werden. Sämtliche sicherheits- und fachkritischen Entscheidungen MÜSSEN im Backend getroffen und dort validiert werden. Clientseitige Prüfungen dienen ausschließlich der Nutzerführung (UX), nicht der Sicherheitsdurchsetzung. Dies entspricht dem Zero-Trust-Prinzip für Frontends: Jede Anfrage an ein Backend-System trägt explizit Authentifizierungs- und Autorisierungsnachweise; implizites Vertrauen aufgrund des Netzwerkstandorts oder einer vorherigen Sitzung genügt nicht.

4.1. Authentifizierung & Token-Handling

Frontends authentifizieren Nutzer über den zentralen IAM-Service der Systemlandschaft. Die übergreifenden Vorgaben zu OAuth 2.0, IAM-Service und Autorisierungsinformationen sind in der Referenzarchitektur Sicherheit festgelegt. Die folgenden Vorgaben schärfen diese für SPAs.

Bevorzugte Zielarchitektur: Backend-for-Frontend (BFF)

Für Anwendungen mit erhöhtem Schutzbedarf SOLL ein Backend-for-Frontend (BFF, siehe Darstellung der Frontends in der softwaretechnischen Architektur mit der Variante BFF) als bevorzugtes Zielbild gewählt werden. In dieser Variante MÜSSEN Access Tokens und Refresh Tokens ausschließlich serverseitig im BFF gehalten werden und DÜRFEN NICHT an den Browser ausgeliefert werden. Die Kommunikation zwischen Frontend und BFF MUSS über ein sicheres Session-Cookie (HttpOnly, Secure, SameSite) erfolgen.

Eine direkte SPA-zu-API-Kommunikation mit Token-Haltung im Browser MUSS eine bewusste und dokumentierte Architekturentscheidung sein und SOLL nur gewählt werden, wenn ein BFF nachweislich nicht erforderlich oder nicht umsetzbar ist.

Authorization Code Flow mit PKCE

Frontends MÜSSEN den OAuth 2.0 Authorization Code Flow mit PKCE (Proof Key for Code Exchange) zur Authentifizierung verwenden. Der Implicit Flow DARF NICHT eingesetzt werden (gemäß OAuth 2.0 Security Best Current Practice).

Token-Speicherung

Die Vorgaben unterscheiden sich nach Architekturvariante:

BFF-Architektur: Access Tokens und Refresh Tokens MÜSSEN ausschließlich serverseitig im BFF gehalten werden. Tokens DÜRFEN NICHT an den Browser ausgeliefert werden. Der Browser erhält ausschließlich ein Session-Cookie (HttpOnly, Secure, SameSite).

Direkte SPA-zu-API-Architektur: Access Tokens MÜSSEN ausschließlich im Arbeitsspeicher (JavaScript-Variable / In-Memory) gehalten werden. Refresh Tokens DÜRFEN NICHT im localStorage oder sessionStorage abgelegt werden. Sofern eine persistente Haltung des Refresh-Tokens technisch erforderlich ist (z. B. für Silent Renewal), MUSS dieser ausschließlich in einem HttpOnly-Cookie gespeichert werden.

Eine reine In-Memory-Haltung von Access Tokens schützt nicht vollständig vor XSS-Angriffen: Bei erfolgreichem XSS-Angriff kann ein In-Memory-Token im laufenden Kontext missbraucht werden. In-Memory ist gegenüber localStorage/sessionStorage zu bevorzugen, ersetzt jedoch keine wirksame XSS-Prävention (siehe XSS-Prävention im Code).

Übergreifend: Client Secrets DÜRFEN NICHT im Frontend-Code oder in Build-Artefakten enthalten sein.

Token-Lebensdauern

Die Lebensdauer von Access Tokens SOLL so kurz wie möglich gewählt werden (empfohlen: 5–15 Minuten, abhängig vom Schutzbedarf).

Refresh Tokens SOLLEN eine begrenzte Lebensdauer besitzen (empfohlen: wenige Stunden bis maximal 24 Stunden, abhängig vom Schutzbedarf) und nach jeder Nutzung rotiert werden (Refresh Token Rotation).

4.2. HTTP-Sicherheits-Header & Cookies

HTTP-Response-Header sind die primäre Maßnahme des Browsers zum Schutz vor Clickjacking, Cross-Site-Scripting (XSS) und verwandten Angriffen. Sie MÜSSEN serverseitig gesetzt werden – entweder durch den Webserver/Reverse Proxy, der das Frontend ausliefert, oder durch ein vorgelagertes API-Gateway.

HTTP-Header

Frontends MÜSSEN mindestens die folgenden HTTP-Response-Header setzen:

Header Ziel

Content-Security-Policy (CSP)

Einschränkung erlaubter Ressourcenquellen; Schutz vor XSS und Injection

Strict-Transport-Security (HSTS)

Erzwingung von HTTPS

Content-Type

Explizite Deklaration des MIME-Typs zur Vermeidung von Content-Sniffing

X-Content-Type-Options: nosniff

Unterbindung von MIME-Type-Sniffing durch den Browser

Cache-Control

Steuerung der Browser-Cachebarkeit; sensible Seiten MÜSSEN mit no-store ausgeliefert werden

Zusätzlich SOLLTEN folgende Header gesetzt werden:

Header Ziel

Strict-Transport-Security (includeSubDomains, preload)

Erweiterter HTTPS-Zwang für gesamte Domainstruktur

X-Frame-Options / CSP frame-ancestors

Schutz vor Clickjacking (CSP bevorzugt, Header als Fallback)

Referrer-Policy

Kontrolle über Weitergabe von Referrer-Informationen

Permissions-Policy

Einschränkung von Browser-APIs (z. B. Kamera, Mikrofon, Geolocation)

Konfiguration der HTTP-Header

HTTP-Sicherheits-Header MÜSSEN auf die konkrete Webanwendung abgestimmt und so restriktiv wie möglich konfiguriert werden (Prinzip der minimalen Berechtigungen / Whitelisting).

Wildcard-Werte (z. B. Content-Security-Policy: default-src *) DÜRFEN NICHT verwendet werden.

Erlaubte Quellen MÜSSEN explizit definiert werden.

Content Security Policy (CSP) — Mindestprofil

Die Content Security Policy MUSS mindestens die folgenden Direktiven enthalten:

Direktive Vorgabe

default-src

'self' — Fallback für nicht explizit gesetzte Ressourcentypen

object-src

'none' — Plugins (Flash, Java, etc.) DÜRFEN NICHT geladen werden

base-uri

'self' — verhindert Manipulation der Basis-URL durch eingeschleustes <base>

frame-ancestors

'none' oder explizite Origin-Liste — Schutz vor Clickjacking

script-src

'self' ergänzt um explizite, vertrauenswürdige Origins; 'unsafe-inline' und 'unsafe-eval' DÜRFEN NICHT verwendet werden. Inline-Scripts MÜSSEN über Nonces oder Hashes abgesichert werden.

style-src

'self' ergänzt um explizite Origins; 'unsafe-inline' SOLL vermieden werden.

connect-src

Explizite Liste der erlaubten Backend-/API-Endpunkte

Bei Verwendung von Native Federation MUSS script-src zusätzlich die zulässigen Remote-Origins enumerieren (siehe Native Federation — Sicherheitsanforderungen).

Verstöße SOLLEN über report-to / report-uri an einen kontrollierten Endpunkt gemeldet werden.

Cookie-Sicherheitsattribute

Alle Cookies, die im Kontext der Webanwendung verwendet oder vom Backend gesetzt werden, MÜSSEN mit den folgenden Sicherheitsattributen versehen sein:

  • Secure — Übertragung MUSS ausschließlich über HTTPS erfolgen

  • HttpOnly — ein Zugriff durch JavaScript DARF NICHT möglich sein (Schutz vor XSS-basiertem Cookie-Diebstahl)

  • SameSite=Strict oder SameSite=Lax — Cross-Site Request Forgery (CSRF) SOLL verhindert werden

SameSite=None DARF nur in begründeten Ausnahmefällen (z. B. Cross-Origin-Einbettung) verwendet werden und MUSS immer zusammen mit Secure gesetzt werden.

Cookies SOLLTEN auf den kleinsten erforderlichen Scope (Domain und Path) eingeschränkt werden.

Session- und Refresh-Token-Cookies MÜSSEN eindeutig identifizierbar sein und DÜRFEN KEINE sensiblen Daten im Klartext enthalten.

4.3. CORS & CSRF

CORS (Cross-Origin Resource Sharing) und CSRF-Schutz werden primär serverseitig (API-Gateway, Backend) durchgesetzt. Das Frontend MUSS dennoch folgende Vorgaben einhalten.

CORS-Konfiguration

Requests an Backend-APIs DÜRFEN NICHT mit Wildcard-Origins (Access-Control-Allow-Origin: *) für authentifizierte Endpunkte konfiguriert werden.

Erlaubte Origins MÜSSEN explizit, vollständig und präzise auf API-Gateway- oder BFF-Ebene definiert sein.

Bei Verwendung von Credentials (z. B. Cookies oder Authorization Headern) MUSS Access-Control-Allow-Credentials: true korrekt gesetzt werden, und es DARF keine Wildcard-Origin verwendet werden.

Origins SOLLTEN auf konkrete Hostnamen eingeschränkt werden (Wildcards wie *.example.com SOLLTEN nicht verwendet werden).

CSRF-Schutz (Defense in Depth)

CSRF-Schutz MUSS als Defense-in-Depth-Strategie umgesetzt werden und DARF NICHT allein auf einer einzelnen Maßnahme beruhen.

Folgende Maßnahmen MÜSSEN bzw. SOLLEN kombiniert werden:

  • SameSite-Cookie-Attribute (Strict oder Lax) MÜSSEN gesetzt werden (siehe HTTP-Sicherheits-Header & Cookies).

  • Bei cookie-basierter Authentifizierung MUSS zusätzlich ein expliziter CSRF-Schutzmechanismus eingesetzt werden, z. B. ein serverseitiges CSRF-Token-Verfahren (Synchronizer Token Pattern) oder das Double-Submit-Cookie-Pattern.

  • Für sicherheitskritische, zustandsverändernde Anfragen SOLL serverseitig zusätzlich Origin- und/oder Referer-Header geprüft werden.

  • Sicherheitsrelevante Endpunkte SOLLEN ausschließlich über sichere HTTP-Methoden mit explizitem Content-Type (z. B. application/json) angesprochen werden, um CSRF über einfache Formularsubmissions zu erschweren.

Bei BFF-Architektur MUSS der CSRF-Schutz auf der Frontend↔BFF-Verbindung implementiert werden, da hier cookie-basierte Sessions verwendet werden.

4.4. Transport-Sicherheit & Protokolle

Die übergreifenden Vorgaben zu TLS und Zertifikaten sind in der Referenzarchitektur Sicherheit normativ festgelegt. Die folgenden Vorgaben ergänzen diese für die Browser-Kommunikation.

HTTPS & TLS

Frontends MÜSSEN ausschließlich über HTTPS ausgeliefert werden.

TLS 1.2 ist das Minimum; TLS 1.3 SOLL eingesetzt werden.

TLS 1.0 und TLS 1.1 DÜRFEN NICHT verwendet werden.

Mixed Content (Einbindung von HTTP-Ressourcen in einer HTTPS-Seite) ist VERBOTEN.

Strict-Transport-Security (HSTS) MUSS gesetzt werden.

HTTP-Protokollversion

Frontends SOLLEN über HTTP/2 ausgeliefert werden, um Ladeperformance und Multiplexing zu verbessern. HTTP/1.1 ist das erlaubte Minimum. HTTP/3 (QUIC) KANN eingesetzt werden, sofern Infrastruktur und Betriebsvorgaben dies unterstützen.

4.5. Supply-Chain-Sicherheit

Build-Artefakte von Frontends bestehen typischerweise aus zahlreichen Open-Source-Abhängigkeiten und sind daher besonders Supply-Chain-Risiken ausgesetzt. Die nachfolgenden Vorgaben korrespondieren mit AG-11: Verbindliche Integrationsverträge und Versionierung (Versionsbindung) und den Betriebs- und Sicherheitsanforderungen aus der Architekturvariante: Modularisierte Single Page Application mit Native Federation.

Dependency Scanning

Dependency Scanning (z. B. mittels npm audit, OWASP Dependency-Check oder äquivalenter Tooling) MUSS als Pflichtschritt in der CI/CD-Pipeline automatisiert ausgeführt werden.

Builds mit bekannten kritischen Schwachstellen (CVSS ≥ 9.0) DÜRFEN NICHT in Produktivumgebungen deployt werden.

Schwachstellen mit hohem Risiko (CVSS ≥ 7.0) SOLLTEN bewertet und zeitnah behoben oder durch geeignete Maßnahmen mitigiert werden.

Ergebnisse des Dependency Scannings MÜSSEN dokumentiert und für Audits nachvollziehbar sein.

Secret Scanning

Repositories und Build-Artefakte MÜSSEN durch automatisiertes Secret Scanning auf versehentlich eingecheckte Zugangsdaten, API-Keys oder Zertifikate geprüft werden.

Secret Scanning MUSS als Pflichtschritt in der CI/CD-Pipeline automatisiert ausgeführt werden.

Gefundene Secrets MÜSSEN unverzüglich entfernt, rotiert oder widerrufen werden.

Builds mit enthaltenen Secrets DÜRFEN NICHT weiterverarbeitet oder in Produktivumgebungen deployt werden.

Software Bill of Materials (SBOM)

Für jedes produktiv deployte Frontend-Build-Artefakt MUSS eine SBOM im Format CycloneDX erstellt werden.

Die SBOM MUSS versioniert und revisionssicher archiviert werden.

Die SBOM MUSS für Vulnerability-Management-Prozesse genutzt werden, insbesondere zur Identifikation betroffener Abhängigkeiten bei bekannt werdenden Schwachstellen (CVEs).

Die Generierung und Auswertung der SBOM SOLL automatisiert in der CI/CD-Pipeline erfolgen.

Abhängigkeitsversionierung

Externe Abhängigkeiten DÜRFEN NICHT als ungebundene latest-Referenzen eingebunden werden.

Alle Abhängigkeiten MÜSSEN auf eine konkrete, fest definierte Version festgelegt sein (→ AG-11: Verbindliche Integrationsverträge und Versionierung).

Ein Lockfile (z. B. package-lock.json, yarn.lock, pnpm-lock.yaml) MUSS eingecheckt und versioniert sein, um eine reproduzierbare Auflösung von Abhängigkeiten sicherzustellen.

Auch transitive Abhängigkeiten MÜSSEN über das Lockfile nachvollziehbar versioniert und kontrollierbar sein.

Reproduzierbare Builds & freigegebene Bezugsquellen

CI/CD-Pipelines MÜSSEN die Installation von Abhängigkeiten ausschließlich anhand des Lockfiles durchführen (z. B. npm ci, yarn install --frozen-lockfile, pnpm install --frozen-lockfile). Eine Auflösung neuer Versionen während des CI-Builds DARF NICHT erfolgen.

Abhängigkeiten MÜSSEN ausschließlich aus organisationsweit freigegebenen Registries oder einem internen Proxy/Mirror bezogen werden. Direkte Bezugsquellen außerhalb dieser Registries (z. B. Git-URLs, beliebige HTTP-Quellen) DÜRFEN NICHT verwendet werden.

Direkte Einbindungen von JavaScript-, CSS- oder Schriften-Ressourcen aus öffentlichen CDNs zur Laufzeit DÜRFEN NICHT ohne explizite Freigabe erfolgen. Erforderliche externe Ressourcen SOLLEN als Build-Abhängigkeit eingebunden und selbst ausgeliefert werden.

Aktualisierung kritischer Abhängigkeiten

Kritische Abhängigkeiten (insbesondere Framework, Build-Toolchain und sicherheitsrelevante Bibliotheken) MÜSSEN regelmäßig und nachvollziehbar auf aktuelle, vom Hersteller unterstützte Versionen aktualisiert werden.

Es MUSS ein definierter Prozess existieren, der Updates auf Basis von Schwachstellen- und Lifecycle-Informationen anstößt.

End-of-Life-Versionen kritischer Abhängigkeiten DÜRFEN NICHT in Produktivumgebungen verwendet werden.

4.6. XSS-Prävention im Code

Die in HTTP-Sicherheits-Header & Cookies definierten Header (insbesondere CSP) reduzieren die Auswirkungen von XSS, ersetzen jedoch keine sichere Implementierung im Anwendungscode.

Vermeidung unsicherer DOM-APIs

Die direkte Verwendung der folgenden DOM-APIs mit nicht-vertrauenswürdigen oder nicht nachweislich bereinigten Daten DARF NICHT erfolgen:

  • innerHTML, outerHTML

  • document.write, document.writeln

  • insertAdjacentHTML

  • eval, Function-Konstruktor, setTimeout/setInterval mit String-Argument

Inhalte MÜSSEN bevorzugt über die framework-eigenen, kontext-sensitiven Binding-Mechanismen ausgegeben werden (z. B. Angular-Interpolation, React JSX-Textbindings), die eine automatische Ausgabe-Encodierung vornehmen.

Wo dynamisches HTML zwingend erforderlich ist, MUSS eine etablierte Sanitizer-Bibliothek (z. B. DOMPurify, framework-eigener Sanitizer) verwendet werden.

Kontrollierter Einsatz von Sanitizer-Bypässen

Framework-spezifische Bypass-Mechanismen für die Ausgabesicherung (z. B. Angular DomSanitizer.bypassSecurityTrust*, React dangerouslySetInnerHTML, Vue v-html) DÜRFEN nur in begründeten Ausnahmefällen verwendet werden.

Jede Verwendung MUSS:

  • dokumentiert und im Code-Review explizit freigegeben werden,

  • auf eine konkrete, vertrauenswürdige Datenquelle eingeschränkt sein,

  • mit einer vorgeschalteten Sanitisierung kombiniert sein, sofern die Datenquelle nicht vollständig kontrolliert ist.

4.7. Native Federation — Sicherheitsanforderungen

Bei Verwendung der Architekturvariante Native Federation (siehe Architekturvariante: Modularisierte Single Page Application mit Native Federation) werden zur Laufzeit Module aus separaten Bereitstellungen geladen. Daraus ergeben sich zusätzliche Sicherheitsanforderungen.

Kontrollierte Bezugsquellen für Remote-Module

Remote-Module DÜRFEN ausschließlich aus einer expliziten, organisationsweit gepflegten Allowlist von Origins geladen werden.

Die erlaubten Origins MÜSSEN in der script-src- und connect-src-Direktive der CSP enumeriert sein (siehe HTTP-Sicherheits-Header & Cookies).

Das Nachladen von Remote-Modulen aus beliebigen, vom Benutzer oder von externen Eingaben beeinflussbaren Origins, DARF NICHT möglich sein.

Versionierung von Remote-Modulen

Remote-Module MÜSSEN über fest definierte, unveränderliche Versionen referenziert werden (Immutable Artifacts).

latest-Referenzen oder andere wandernde Versions-URLs DÜRFEN NICHT verwendet werden.

Die Integrität geladener Remote-Module SOLL über Subresource Integrity (SRI) oder einen vergleichbaren Mechanismus geprüft werden, sofern technisch unterstützt.

Rollback und Deaktivierung kompromittierter Remotes

Es MUSS ein dokumentierter Prozess existieren, mit dem ein einzelnes kompromittiertes oder fehlerhaftes Remote-Modul kurzfristig deaktiviert oder auf eine vorherige Version zurückgerollt werden kann, ohne dass ein vollständiges Re-Deployment der Shell-Anwendung erforderlich ist.

Die zentrale Konfiguration der Remote-Module (z. B. Federation Manifest) MUSS unter Versionskontrolle stehen und über einen kontrollierten Freigabeprozess änderbar sein.

4.8. Logout, Caching & Service Worker

Logout und Session-Invalidierung

Beim Logout MÜSSEN alle sicherheitsrelevanten Zustände invalidiert werden:

  • Der Frontend-State (insbesondere In-Memory-Tokens, Benutzerinformationen und zwischengespeicherte fachliche Daten) MUSS vollständig verworfen werden.

  • Serverseitige Sessions sowie ggf. Refresh Tokens MÜSSEN serverseitig invalidiert werden (z. B. über den Logout-Endpunkt des IAM-Service bzw. des BFF).

  • Auth-Cookies (Session, Refresh) MÜSSEN serverseitig invalidiert und gelöscht werden.

  • Persistente Browser-Caches mit sensiblen Inhalten (siehe unten) MÜSSEN bereinigt werden.

Ein clientseitiges Logout ohne serverseitige Invalidierung DARF NICHT als ausreichend betrachtet werden.

Caching sensibler API-Antworten

Antworten von Backend-APIs, die personenbezogene oder sicherheitsrelevante Daten enthalten, DÜRFEN NICHT persistent im Browser- oder Zwischen-Cache abgelegt werden.

Solche Antworten MÜSSEN serverseitig mit Cache-Control: no-store (und ergänzend Pragma: no-cache für Legacy-Clients) ausgeliefert werden.

Die clientseitige Wiederverwendung sensibler Antworten SOLL auf den Arbeitsspeicher und die Dauer der aktiven Nutzersitzung beschränkt sein.

Service Worker

Service Worker DÜRFEN keine personenbezogenen oder sicherheitsrelevanten Daten (z. B. Tokens, Session-Informationen, fachliche Bewegungsdaten) persistent speichern, es sei denn, dies wurde im Datenschutz- und Sicherheitskonzept der Anwendung explizit geprüft und freigegeben.

Der Cache eines Service Workers SOLL ausschließlich nicht-sensible, öffentlich auslieferbare Ressourcen (Applikations-Shell, statische Assets) enthalten.

Beim Logout MÜSSEN durch den Service Worker gehaltene Caches, die sensible Daten enthalten könnten, bereinigt werden.

Der Lebenszyklus von Service Workern (Registrierung, Aktualisierung, Deregistrierung) MUSS dokumentiert und kontrolliert sein; ein Update-Mechanismus MUSS sicherstellen, dass kompromittierte oder fehlerhafte Worker zeitnah ersetzt werden können.

4.9. Datenschutz & Datenminimierung im Browser

Das Frontend verarbeitet im Browser personenbezogene Daten, die den Anforderungen der DSGVO (insbesondere Art. 5 Abs. 1 lit. c – Datenminimierung) unterliegen. Da keine übergreifenden IsyFact-Vorgaben zu DSGVO existieren, sind die konkreten datenschutzrechtlichen Anforderungen im Berechtigungs- und Datenschutzkonzept der jeweiligen Systemlandschaft zu regeln. Die folgenden Vorgaben definieren den technischen Mindestrahmen.

Datenminimierung im Browser-Speicher

Personenbezogene und sicherheitsrelevante Daten (z. B. Tokens oder Session-Informationen) DÜRFEN NICHT persistent im Browser-Speicher (localStorage, sessionStorage, IndexedDB) abgelegt werden, sofern dies nicht fachlich zwingend erforderlich ist und im Datenschutzkonzept der Anwendung begründet wurde.

Temporär verarbeitete Daten MÜSSEN nach Abschluss der fachlichen Operation aus dem Arbeitsspeicher entfernt werden.

Persistente Speicherung im Browser SOLLTE grundsätzlich vermieden werden und ist auf das notwendige Minimum zu beschränken.

Logging & Telemetrie

Personenbezogene Daten DÜRFEN NICHT in clientseitige Logs, Browser-Konsole oder Telemetrie-Dienste geschrieben werden.

Sicherheitsrelevante Daten (z. B. Tokens, Session-IDs oder Authentifizierungsinformationen) DÜRFEN NICHT protokolliert werden.

Sofern Telemetriedaten erhoben werden, MÜSSEN diese vor der Übermittlung anonymisiert oder pseudonymisiert werden.

Die Übermittlung von Telemetriedaten an externe Dienste SOLLTE auf das notwendige Minimum beschränkt werden und MUSS den datenschutzrechtlichen Anforderungen entsprechen.

Debug- und Entwicklungslogs DÜRFEN in Produktivumgebungen nicht aktiv sein.

Zweckbindung

Im Frontend erhobene oder zwischengespeicherte Daten DÜRFEN ausschließlich für den definierten fachlichen Zweck verwendet werden, für den sie erhoben wurden.

Personenbezogene Daten DÜRFEN NICHT für andere als die vorgesehenen Zwecke verarbeitet werden.

Eine Weitergabe an Drittdienste (z. B. externe Analyse- oder Tracking-Dienste) MUSS datenschutzrechtlich geprüft und im Datenschutzkonzept dokumentiert sein.

Die Weitergabe von Daten an Drittdienste SOLLTE auf das notwendige Minimum beschränkt werden.

5. Qualitätssicherung

Abschnitt ist noch WIP

6. Betrieb & Deployment von Frontends

Abschnitt ist noch WIP

7. Daten & Zustandsmanagement

Dieses Kapitel beschreibt verbindliche Leitlinien für den Umgang mit Daten, Zustand und clientseitigem Caching in Frontends. Ziel ist es, Frontends wartbar, sicher und nachvollziehbar zu gestalten und gleichzeitig unnötige Komplexität durch überdimensioniertes State Management zu vermeiden.

Der Zustand eines Frontends ist grundsätzlich als abgeleiteter Zustand zu betrachten. Fachlich verbindliche Daten, Berechtigungen und sicherheitsrelevante Entscheidungen MÜSSEN im Backend bzw. in den dafür vorgesehenen serverseitigen Komponenten verbleiben. Das Frontend DARF Daten lediglich darstellen, für die Benutzerinteraktion vorbereiten, temporär zwischenspeichern oder zur Verbesserung der Bedienbarkeit verwenden.

7.1. Grundsätze

Frontends SOLLEN ihren Zustand bewusst und nachvollziehbar modellieren. Dabei SOLL zwischen lokalem UI-Zustand, fachlichem Feature-Zustand, globalem Anwendungszustand, URL-/Navigationszustand und serverseitig geladenen Daten unterschieden werden.

Lokaler UI-Zustand, zum Beispiel geöffnete Panels, aktive Tabs, Eingabefokus oder temporäre Formularwerte, SOLL möglichst nah an der jeweiligen Komponente gehalten werden. Feature-Zustand, der von mehreren Komponenten innerhalb eines fachlichen Bereichs benötigt wird, SOLL in einem fachlich abgegrenzten Service oder Store gekapselt werden. Globaler Anwendungszustand SOLL nur verwendet werden, wenn ein Zustand tatsächlich von mehreren fachlichen Bereichen benötigt wird oder querschnittliche Bedeutung hat.

Serverseitig geladene Daten SOLLEN nicht unnötig in globalen Stores dupliziert werden. Für API-Daten ist zu prüfen, ob ein einfacher, fachlich begrenzter Cache ausreichend ist. Abgeleiteter Zustand SOLL nicht dauerhaft gespeichert werden, sondern aus dem eigentlichen Quellzustand berechnet werden.

7.2. State-Modelle

State-Modelle SOLLEN fachlich verständlich, typisiert und möglichst klein gehalten werden. Sie SOLLEN nur die Daten enthalten, die für die jeweilige Darstellung oder Interaktion notwendig sind.

Data Transfer Objects (DTOs) aus Backend-Schnittstellen SOLLEN nicht unreflektiert als internes Frontend-State-Modell verwendet werden. Bei Bedarf SOLL eine Trennung zwischen Schnittstellenmodell, fachlichem View-Modell und UI-Zustand erfolgen. Dadurch bleiben Änderungen an Backend-Schnittstellen besser beherrschbar und die Darstellungsschicht wird nicht unnötig an technische Datenstrukturen gekoppelt.

Gemeinsam genutzter Zustand SOLL nur über definierte Schnittstellen geändert werden. Komponenten SOLLEN gemeinsamen Zustand nicht direkt manipulieren, sondern dafür vorgesehene Methoden eines Services, Stores oder einer Fassade verwenden. Dadurch bleiben Zustandsänderungen nachvollziehbar und testbar.

Für Zustandsänderungen gelten folgende Vorgaben:

  • Zustandsänderungen SOLLEN explizit und nachvollziehbar erfolgen.

  • Gemeinsam genutzter Zustand SOLL nicht unkontrolliert aus beliebigen Komponenten verändert werden.

  • Abgeleiteter Zustand SOLL berechnet und nicht redundant gespeichert werden.

  • Zustände SOLLEN so modelliert werden, dass sie testbar sind.

  • Fehler-, Lade- und Leerzustände SOLLEN explizit berücksichtigt werden.

  • Fachliche Validierung und Autorisierung MÜSSEN serverseitig erfolgen.

Zustand, der für Navigation, Wiederherstellbarkeit oder Teilbarkeit relevant ist, SOLL bevorzugt in der URL abgebildet werden, zum Beispiel Suchparameter, Filter, Sortierung oder Pagination. Dadurch bleiben Ansichten nachvollziehbar, bookmarkfähig und leichter testbar. Sensible Daten DÜRFEN dabei nicht in URL-Parametern abgelegt werden.

7.3. Caching

Clientseitiges Caching DARF nur als Performance- und Bedienbarkeitsoptimierung verstanden werden. Der Cache DARF NICHT als fachlich verbindliche Datenquelle betrachtet werden.

Caching SOLL gezielt und fachlich begründet eingesetzt werden. Für zwischengespeicherte Daten MÜSSEN Gültigkeit, Invalidierung und Aktualisierung geregelt sein. Insbesondere bei personenbezogenen oder berechtigungsabhängigen Daten ist sicherzustellen, dass keine veralteten oder unzulässigen Daten angezeigt werden.

Für clientseitiges Caching gelten folgende Vorgaben:

  • Caches SOLLEN fachlich abgegrenzt und möglichst klein gehalten werden.

  • Cache-Einträge SOLLEN eine definierte Gültigkeit besitzen.

  • Caches MÜSSEN bei Benutzerwechsel, Logout oder Berechtigungsänderungen invalidiert werden.

  • Fehlerhafte oder unvollständige Antworten DÜRFEN NICHT ungeprüft als gültiger Cache-Zustand übernommen werden.

  • Berechtigungsabhängige Daten DÜRFEN NICHT benutzerübergreifend wiederverwendet werden.

  • Caching von sensiblen Daten MUSS begründet und durch geeignete Schutzmaßnahmen abgesichert werden.

  • HTTP-Cache-Vorgaben des Backends, insbesondere Cache-Control, SOLLEN berücksichtigt werden.

Offline-Fähigkeit oder persistentes Caching fachlicher Daten ist eine eigene Architekturentscheidung. Sie DARF nur umgesetzt werden, wenn Anforderungen, Sicherheitsbetrachtung, Datenschutz, Synchronisation, Konfliktbehandlung und Löschkonzept beschrieben sind.

7.4. Speicherung von Daten im Client

Die Speicherung von Daten im Browser ist restriktiv zu verwenden. Grundsätzlich SOLL Zustand nur im Arbeitsspeicher gehalten werden. Persistente Speicherung im Client SOLL nur erfolgen, wenn sie fachlich oder technisch notwendig ist.

Folgende Einordnung ist zu verwenden:

Speicherort Geeignete Verwendung Einschränkungen

Arbeitsspeicher

Lokaler UI-Zustand, temporärer Feature-Zustand, nicht persistenter Cache

Standardfall für Frontend-State; Daten gehen bei Reload verloren

URL

Navigation, Filter, Sortierung, Pagination, wiederherstellbare Ansichten

Keine sensiblen Daten; URLs können protokolliert, geteilt oder im Browser-Verlauf gespeichert werden

sessionStorage

Kurzlebige, nicht sensible Daten für eine Browser-Session oder einen Tab

Zugriff durch JavaScript möglich; nicht für Zugangsdaten, Token oder sensible fachliche Daten verwenden

localStorage

Nicht sensible Benutzereinstellungen, zum Beispiel UI-Präferenzen

Persistiert über Sitzungen hinweg; Zugriff durch JavaScript möglich; nicht für sensible Daten verwenden

IndexedDB

Größere strukturierte Datenmengen, zum Beispiel fachlich begründete Offline-Szenarien

Nur mit explizitem Konzept für Datenschutz, Löschung, Versionierung und Validierung verwenden

Cookies

Nur für klar definierte technische Zwecke, insbesondere im Rahmen des abgestimmten Sicherheitskonzepts

Fachliche Anwendungsdaten SOLLEN nicht in Cookies gespeichert werden

Sensible Daten DÜRFEN grundsätzlich NICHT in localStorage, sessionStorage oder IndexedDB gespeichert werden. Dazu zählen insbesondere Zugangsdaten, Session-IDs, Tokens, personenbezogene Daten mit erhöhtem Schutzbedarf, Berechtigungsinformationen und fachlich besonders schützenswerte Daten.

Daten aus clientseitiger Speicherung MÜSSEN beim Lesen als nicht vertrauenswürdig behandelt werden. Sie können durch Benutzer, Browser-Erweiterungen oder Schadcode verändert worden sein. Deshalb MÜSSEN gespeicherte Daten validiert und bei fachlicher Relevanz serverseitig erneut geprüft werden.

Für persistierte Client-Daten SOLLEN Versionierung, Migration und Löschung berücksichtigt werden. Nicht mehr benötigte Daten MÜSSEN entfernt werden, insbesondere bei Logout, Benutzerwechsel oder Änderung des fachlichen Kontextes.

7.5. Umgang mit State-Management-Frameworks

Ein zusätzliches State-Management-Framework SOLL nur eingesetzt werden, wenn der Nutzen die zusätzliche Komplexität rechtfertigt. Dies kann insbesondere der Fall sein bei komplexem fachlichem Zustand, mehreren beteiligten Features, aufwendiger asynchroner Orchestrierung, Bedarf an Debugging-Werkzeugen oder einheitlichen Patterns für große Teams.

Für einfache lokale oder feature-nahe Zustände SOLLEN leichtgewichtige Mechanismen bevorzugt werden, zum Beispiel Komponenten-State, reaktive Framework-Mechanismen wie Signals bei Angular-Anwendungen oder fachlich gekapselte Services. Dadurch bleibt die Architektur verständlich und vermeidet unnötigen Boilerplate-Code.

Backend als führende Datenquelle

Fachlich verbindliche Daten, Berechtigungen und sicherheitsrelevante Entscheidungen MÜSSEN serverseitig verwaltet und geprüft werden. Das Frontend DARF clientseitigen Zustand nicht als alleinige Grundlage für fachliche oder sicherheitskritische Entscheidungen verwenden.

Restriktive Speicherung im Client

Sensible Daten, insbesondere Zugangsdaten, Tokens, Session-IDs und schützenswerte personenbezogene Daten, DÜRFEN NICHT in localStorage, sessionStorage oder IndexedDB gespeichert werden. Clientseitige Speicherung MUSS fachlich begründet, minimiert und bei Bedarf durch ein Lösch- und Sicherheitskonzept abgesichert sein.

Kontrolliertes Caching

Clientseitiges Caching MUSS hinsichtlich Gültigkeit, Invalidierung und Benutzerkontext kontrolliert werden. Caches DÜRFEN NICHT zu veralteten, unzulässigen oder benutzerübergreifend sichtbaren Daten führen.

8. UX, UI & Accessibility

Die Gestaltung der Frontends folgt verbindlichen Leitlinien zu User Interface (UI), User Experience (UX) sowie zur Barrierefreiheit. Diese Rahmenvorgaben sind im Bedienkonzept umfassend beschrieben. Darin finden sich sowohl UI/UX-Richtlinien für Bedienelemente, Fenstertypen und Layoutstrukturen als auch zentrale Anforderungen zur Barrierefreiheit. Insbesondere werden relevante Akzeptanzkriterien der WCAG 2.2 berücksichtigt, um sicherzustellen, dass alle Anwendungen für Nutzende mit unterschiedlichen Fähigkeiten uneingeschränkt und normkonform zugänglich sind.

9. Logging, Monitoring & Telemetrie

Dieses Kapitel beschreibt verbindliche Leitlinien für Logging, Monitoring und Telemetrie in Frontends. Ziel ist es, technische Fehler und Qualitätsprobleme im Betrieb nachvollziehbar zu machen, ohne personenbezogene, sicherheitsrelevante oder unnötige Daten aus dem Browser zu übertragen.

Die Vorgaben aus dem Abschnitt „Datenschutz & Datenminimierung im Browser“ gelten ergänzend. Clientseitige Telemetrie ersetzt weder das serverseitige Logging noch das Monitoring der Backend-Systeme. Sie ergänzt diese um Informationen, die ausschließlich im Browser verfügbar sind.

9.1. Ziele und Abgrenzung

Logging, Monitoring und Telemetrie erfüllen unterschiedliche Aufgaben:

  • Logging erfasst einzelne technische Ereignisse und Fehler.

  • Monitoring bewertet den Betriebszustand anhand zusammengeführter Messwerte und definierter Schwellwerte.

  • Telemetrie im Frontend bezeichnet die strukturierte Übermittlung technischer Ereignisse und Messwerte aus dem Frontend.

Die Browser-Konsole ist kein zentraler Logging-Dienst. Ausgaben über console.log, console.warn oder console.error DÜRFEN NICHT ungefiltert an ein Backend oder einen Telemetrie-Dienst weitergeleitet werden.

Debug- und Entwicklungsinformationen DÜRFEN in Produktivumgebungen nicht dauerhaft aktiviert sein.

Die folgenden Vorgaben beziehen sich primär auf Single-Page Applications (SPA). Für serverseitig gerenderte oder hybride Frontend-Architekturen gelten sie sinngemäß, soweit nicht anders angegeben.

9.2. Erfassung von Fehlern in der SPA

Eine SPA SOLL nur solche technischen Fehler zentral erfassen, die für die Bewertung der Stabilität, Verfügbarkeit oder Nutzbarkeit der Anwendung relevant sind.

Hierzu zählen insbesondere:

  • unbehandelte Laufzeitfehler und unbehandelte Promise-Abweisungen,

  • Fehler beim Starten oder Initialisieren der Anwendung,

  • Fehler beim Laden kritischer JavaScript-, CSS- oder Konfigurationsressourcen,

  • fehlgeschlagene API-Aufrufe, sofern sie einen fachlichen Ablauf oder eine zentrale Funktion beeinträchtigen,

  • Fehler beim Laden dynamischer Module oder Remote-Komponenten,

  • wiederkehrende technische Fehler, die auf eine fehlerhafte Frontend-Version oder eine Störung angebundener Systeme hinweisen.

Erwartete fachliche Fehler und reguläre Benutzereingaben SOLLEN nicht als technische Fehler gemeldet werden. Hierzu zählen beispielsweise Validierungsfehler, fachlich erwartete Ablehnungen, bewusst abgebrochene Vorgänge oder fehlende optionale Eingaben.

HTTP-Statuscodes MÜSSEN fachlich eingeordnet werden. Insbesondere DÜRFEN NICHT alle Antworten mit einem Statuscode aus dem Bereich 4xx pauschal als technische Fehler behandelt werden.

Ein erfasstes Fehlerereignis SOLL mindestens folgende strukturierte Angaben enthalten:

  • technische Fehlerkategorie und stabiler Fehlercode,

  • Schweregrad,

  • Zeitpunkt,

  • Anwendung und Anwendungsversion,

  • Umgebung,

  • betroffene Funktion oder abstrahierte Route,

  • Ergebnis der betroffenen technischen Operation,

  • Korrelations-ID, sofern verfügbar.

Vollständige URLs, Request- und Response-Inhalte, Formulardaten, Tokens, Session-Informationen und andere personenbezogene oder sicherheitsrelevante Daten DÜRFEN NICHT Bestandteil des Fehlerereignisses sein.

Stacktraces DÜRFEN nur übertragen werden, wenn sie vor der Übermittlung bereinigt und auf notwendige technische Informationen begrenzt wurden. Quellcode, Zugangsdaten, Inhalte aus Benutzereingaben oder interne Infrastrukturinformationen DÜRFEN dadurch nicht offengelegt werden.

9.3. Übermittlung von Fehler- und Telemetriedaten

Fehler- und Telemetriedaten MÜSSEN strukturiert über eine definierte und versionierte HTTPS-Schnittstelle übertragen werden. Die ungefilterte Übertragung von Konsolenausgaben oder beliebigen JavaScript-Objekten ist nicht zulässig.

Die Schnittstelle MUSS insbesondere folgende Maßnahmen unterstützen:

  • Validierung des Datenformats,

  • Begrenzung der Größe einzelner Ereignisse und Übertragungen,

  • Filterung oder Verwerfung unzulässiger Inhalte,

  • Begrenzung der Übertragungsrate,

  • Schutz vor missbräuchlicher oder automatisierter Übermittlung,

  • Zuordnung zu Anwendung, Version und Umgebung,

  • kontrollierte Weiterleitung an die zentrale Logging- und Monitoring-Infrastruktur.

Telemetrie-Endpunkte DÜRFEN NICHT als allgemeine Proxy-Schnittstelle zu externen Monitoring-Diensten verwendet werden.

Übertragungsfehler DÜRFEN die eigentliche Nutzung der Anwendung nicht blockieren. Wiederholungsversuche MÜSSEN zeitlich und mengenmäßig begrenzt werden.

Eine dauerhafte Speicherung von Telemetriedaten im Browser SOLL vermieden werden. Insbesondere fehlgeschlagene Übertragungen DÜRFEN NICHT zu einer unkontrollierten persistenten Sammlung von Fehlerdaten führen.

9.4. Monitoring und Performance-Metriken

Frontends SOLLEN technische Metriken erfassen, wenn diese zur Bewertung von Stabilität, Verfügbarkeit und wahrgenommener Performance benötigt werden.

Geeignete Metriken sind insbesondere:

  • Dauer bis zur initialen Nutzbarkeit der Anwendung,

  • Lade- und Darstellungszeiten zentraler Ansichten,

  • Reaktionszeiten auf relevante Benutzerinteraktionen,

  • Dauer und Fehlerquote von API-Aufrufen,

  • Anzahl unbehandelter Frontend-Fehler,

  • Fehlerquote beim Laden kritischer Ressourcen oder dynamischer Module,

  • technische Abbruchquote zentraler Anwendungsabläufe,

  • Verteilung der eingesetzten Anwendungsversionen.

Metriken SOLLEN aggregiert ausgewertet werden. Einzelne Messwerte DÜRFEN NICHT ohne fachliche und datenschutzrechtliche Begründung einem konkreten Benutzer zugeordnet werden.

Metriken MÜSSEN mindestens nach Anwendung, Version und Umgebung unterscheidbar sein. Weitere Dimensionen, beispielsweise Browserfamilie oder Gerätetyp, DÜRFEN nur in der für die technische Analyse erforderlichen Genauigkeit übertragen werden.

Für relevante Metriken SOLLEN Zielwerte, Warnschwellen und Alarmierungsregeln definiert werden. Alarmierungen SOLLEN auf aggregierten und wiederholt auftretenden Problemen basieren und nicht unkontrolliert für jedes einzelne Client-Ereignis ausgelöst werden.

Neben der realen Nutzung SOLLEN für geschäftskritische Frontends synthetische Prüfungen berücksichtigt werden. Diese können beispielsweise die Erreichbarkeit, den erfolgreichen Anwendungsstart und zentrale technische Abläufe überprüfen.

9.5. Korrelation und Nachvollziehbarkeit

Fehler und Messwerte SOLLEN einer technischen Benutzeraktion oder Backend-Anfrage zugeordnet werden können, ohne personenbezogene Daten zu verwenden.

Für HTTP-Anfragen ist die in der Referenzarchitektur REST definierte Korrelations-ID im Header X-Correlation-Id zu berücksichtigen. Vorhandene Korrelationsinformationen SOLLEN bei der Kommunikation zwischen Frontend, Backend-for-Frontend und Backend weitergegeben werden, soweit dies technisch und sicherheitlich vorgesehen ist.

Vom Browser übermittelte Korrelations-IDs MÜSSEN als nicht vertrauenswürdig behandelt werden. Sie DÜRFEN NICHT als Grundlage für Autorisierung, Zugriffskontrolle oder andere sicherheitsrelevante Entscheidungen verwendet werden.

Ein Backend-for-Frontend SOLL eingehende IDs validieren oder eigene vertrauenswürdige Korrelationsinformationen erzeugen. Die Zuordnung zwischen einem clientseitigen Ereignis und den zugehörigen serverseitigen Logs SOLL anschließend in der zentralen Observability-Infrastruktur möglich sein.

9.6. Berücksichtigung des Backend-for-Frontend

Bei Verwendung eines Backend-for-Frontend SOLL dieses als zentrale Annahmestelle für Frontend-Fehler und Telemetriedaten vorgesehen werden.

Das Backend-for-Frontend SOLL insbesondere:

  • eine gleichartige, vorzugsweise Same-Origin-basierte Schnittstelle für die SPA bereitstellen,

  • eingehende Ereignisse anhand eines definierten Schemas validieren,

  • sensible oder unzulässige Inhalte filtern,

  • Größen- und Ratenbegrenzungen durchsetzen,

  • Anwendung, Version, Umgebung und technischen Kontext ergänzen,

  • Korrelationsinformationen erzeugen oder validieren,

  • Daten kontrolliert an zentrale Logging-, Monitoring- oder Tracing-Systeme weiterleiten.

Benutzer- oder Sitzungsinformationen, die serverseitig bereits vorliegen, SOLLEN nicht zusätzlich durch das Frontend übertragen werden. Das Backend-for-Frontend DARF diese Informationen nur ergänzen, wenn dies für den festgelegten technischen Zweck erforderlich und datenschutzrechtlich zulässig ist.

Ohne Backend-for-Frontend MUSS eine vergleichbare abgesicherte Telemetrie-Schnittstelle über das API-Gateway oder eine dafür vorgesehene Backend-Komponente bereitgestellt werden. Eine direkte Kopplung der SPA an interne Logging-Systeme ist nicht zulässig.

Architekturregel: Strukturierte Erfassung von Frontend-Fehlern

Frontends DÜRFEN Konsolenausgaben und beliebige Fehlerobjekte NICHT ungefiltert an Backend- oder Telemetrie-Dienste übertragen. Technisch relevante Fehler MÜSSEN klassifiziert, bereinigt und über ein definiertes Schema übermittelt werden.

Architekturregel: Kontrollierte Telemetrie-Schnittstelle

Fehler- und Telemetriedaten MÜSSEN über eine abgesicherte, validierende und in ihrer Datenmenge begrenzte HTTPS-Schnittstelle übertragen werden. Bei Einsatz eines Backend-for-Frontend SOLL dieses die Annahme, Filterung, Korrelation und kontrollierte Weiterleitung übernehmen.

Architekturregel: Datenschutzkonformes Monitoring

Personenbezogene und sicherheitsrelevante Daten DÜRFEN NICHT Bestandteil von Frontend-Logs, Metriken oder Traces sein. Metriken SOLLEN aggregiert und auf den für den technischen Betriebszweck notwendigen Umfang begrenzt werden.

Architekturregel: Ende-zu-Ende-Nachvollziehbarkeit

Technische Ereignisse und Anfragen SOLLEN über Korrelationsinformationen zwischen Frontend, Backend-for-Frontend und Backend nachvollziehbar sein. Vom Client übermittelte IDs MÜSSEN als nicht vertrauenswürdig behandelt und serverseitig validiert oder ersetzt werden.