1. Benutzereingaben

Benutzereingaben beschreiben sämtliche Interaktionen, durch die Nutzende mit der Anwendung kommunizieren. Sie umfassen das Auslösen von Aktionen, das Eingeben und Bearbeiten von Daten sowie das Navigieren und Verändern von Zuständen.

Dieses Kapitel legt die grundlegenden Prinzipien fest, die für alle interaktiven Elemente verbindlich gelten. Die beschriebenen Anforderungen betreffen sowohl einzelne Bedienelemente als auch komplexe Komponenten, Dialoge und dynamische Inhalte.

Alle Interaktionen sind konsistent, nachvollziehbar und geräteunabhängig auszugestalten. Eingaben müssen mit Tastatur, Zeigegeräten und assistiven Technologien gleichermaßen nutzbar sein. Zustände, Veränderungen und Rückmeldungen sind eindeutig wahrnehmbar und programmatisch erfassbar umzusetzen.

Interaktionsprinzipien

  • Interaktive Elemente sind eindeutig als solche erkennbar und semantisch korrekt ausgezeichnet.

  • Eingabefelder besitzen eine eindeutige, programmatisch zugeordnete Beschriftung.

  • Gleichartige Elemente verhalten sich in vergleichbaren Situationen konsistent.

  • Zustände und Veränderungen sind unmittelbar wahrnehmbar.

  • Informationen werden nicht ausschließlich über Farbe vermittelt.

  • Interaktionen führen nicht zu unerwarteten Kontextwechseln oder automatischen Änderungen ohne bewusste Auslösung.

  • Bedienhandlungen sind reversibel oder erfordern bei kritischen Aktionen eine bewusste Bestätigung.

Die Anwendung vermeidet überraschende oder nicht erwartungskonforme Interaktionen.

Zustände von Eingabeelementen

Eingabeelemente können unterschiedliche Zustände einnehmen (z. B. aktiv, deaktiviert, schreibgeschützt, ausgewählt, fehlerhaft).

  • Zustände sind visuell klar unterscheidbar und erfüllen die geltenden Kontrastanforderungen.

  • Deaktivierte oder schreibgeschützte Elemente bleiben als solche eindeutig erkennbar.

  • Pflichtfelder sind eindeutig gekennzeichnet.

  • Fehlerzustände sind nicht ausschließlich farblich hervorgehoben.

  • Änderungen von Zuständen erfolgen nachvollziehbar und ohne unerwartete visuelle Verschiebungen.

Tastatur

Die Tastatur ist ein gleichwertiges Eingabemedium für alle Interaktionen innerhalb der Anwendung.

  • Alle Funktionen sind ohne den Einsatz von Zeigegeräten nutzbar.

  • Der Fokus kann jederzeit logisch weitergeführt oder verlassen werden.

  • Die Fokusreihenfolge folgt einer klaren und nachvollziehbaren Struktur.

  • Der aktive Fokus ist jederzeit eindeutig sichtbar und ausreichend kontrastreich dargestellt.

  • Beim Öffnen neuer Kontexte wird ein sinnvoller Startfokus gesetzt.

  • Beim Schließen kehrt der Fokus an die auslösende Stelle zurück.

  • Enter aktiviert die jeweilige Primäraktion; Escape beendet oder schließt den aktuellen Kontext, sofern fachlich vorgesehen.

  • Tastenkombinationen sind nicht vorausgesetzt und dürfen bestehende System- oder Assistenzfunktionen nicht beeinträchtigen.

Zeigegeräte (Maus, Touch, Stift)

Interaktionen über Zeigegeräte sind konsistent, fehlertolerant und gleichwertig zur Tastaturbedienung.

  • Klicks oder Taps lösen die jeweils erwartete Aktion aus.

  • Interaktive Elemente sind ausreichend groß und klar bedienbar.

  • Komplexe Gesten besitzen eine alternative Bedienmöglichkeit.

  • Aktionen werden bewusst ausgelöst und können vor Abschluss abgebrochen oder korrigiert werden.

  • Inhalte, die bei Hover erscheinen, sind auch per Fokus erreichbar, überdeckungsfrei nutzbar und wieder schließbar.

  • Drag-and-Drop-Interaktionen verfügen über eine alternative Bedienform.

Eingabeverhalten und Validierung

Eingaben sind fehlertolerant, transparent und unterstützen eine effiziente Datenerfassung.

  • Formatierungen und automatische Korrekturen erfolgen transparent, nachvollziehbar und ohne Informationsverlust.

  • Gängige alternative Eingabeweisen werden akzeptiert.

  • Validierungsfehler stehen in direktem Zusammenhang mit dem betroffenen Feld und enthalten konkrete Hinweise zur Behebung.

  • Fehlerzustände bleiben sichtbar, bis sie behoben wurden.

  • Mehrere Fehler können zusätzlich in einer zusammenfassenden Übersicht dargestellt werden.

  • Felder mit bekanntem Eingabezweck unterstützen Autovervollständigung.

Rückmeldungen und zeitliche Abläufe

Eingaben lösen unmittelbare oder zeitversetzte Rückmeldungen aus, die den aktuellen Systemzustand transparent machen.

  • Ladezustände und asynchrone Validierungen sind klar erkennbar und programmatisch wahrnehmbar.

  • Status- und Erfolgsmeldungen sind programmatisch wahrnehmbar und erfordern keine erzwungene Fokusübernahme.

Fokusführung bei dynamischen Änderungen

  • Beim Öffnen neuer Bereiche wird der Fokus in den neuen Kontext geführt.

  • Wird ein fokussiertes Element entfernt, wird der Fokus logisch weitergeführt.

  • Status- und Fehlermeldungen werden wahrnehmbar kommuniziert, ohne den Fokus unnötig zu verschieben.

Tastaturbedienung interaktiver Komponenten

Interaktive Komponenten wie Tabs, Accordions, Dropdowns, Datumsauswahlen oder Tabellen folgen etablierten Interaktionsmustern.

  • Zustände interaktiver Komponenten sind eindeutig erkennbar und programmatisch ermittelbar.

  • Navigation innerhalb einer Komponente erfolgt konsistent und erwartungskonform.

  • Kontextwechsel innerhalb von Komponenten führen den Fokus nachvollziehbar zurück.

  • Sortier-, Auswahl- oder Aktivierungszustände sind eindeutig wahrnehmbar.